Tipps für die Festival-Saison

Beim Wiesenrock in Wattens wurden neue Maßstäbe gesetzt
Beim Wiesenrock in Wattens wurden neue Maßstäbe gesetzt
Die GREEN EVENTS TIROL Checkbox für deinen Festival-Besuch
- Klar geht's um die Musik, aber achte bei der Wahl deines Festivals auch auf nachhaltige Konzepte bei der Organisation.
- Nutze Mehrweggeschirr! Gibt es nicht? Setz ein Zeichen und nimm deinen eigenen Mehrwegbecher zum Festival mit.
- Raucher_in? Wirf deine Kippe nicht weg. Auf vielen Festivals gibt es mobile Aschenbecher.
- Fest ohne Rest: Mülltrennung ist gefragt, auch im Festival-Fieber!
- Würstl war gestern! Probiere bei deinem nächsten Festival g'schmackige fleischfreie Gerichte und lass dich überraschen.

Tipps für dein Festival vom Wiesenrock-Gründer Alex Erler

Alex Erler mit LHStv.in Ingrid Felipe
Alex Erler mit LHStv.in Ingrid Felipe
Wiesenrock Infografik
Wiesenrock Infografik

Die Festival-Saison hat begonnen. In Sachen nachhaltiger Organisation hat das Wiesenrock in Tirol neue Maßstäbe gesetzt. Wie’s geht erklärt Festivalleiter Alex Erler im Interview…

Alex, warum war es euch wichtig das Wiesenrock Festival nachhaltig zu gestalten?

Es war in erster Linie eine „negative“ Motivation. Als wir am Tag nach Wiesenrock 2012 aufzuräumen begannen, waren uns die vielen Einwegbecher auf dem Boden ein großer Dorn im Auge. Das Festival fand in einem Schulhof statt und dort sah es aus wie auf einer Müllhalde – das passte einfach nicht zusammen. Wir wollten das anders machen und ein Zeichen setzen. Etwa zur selben Zeit erfuhren wir, dass das Klimabündnis Tirol gerade seine Initiative GREEN EVENTS TIROL vorbereitete. Wir begannen uns regelmäßig auszutauschen, lernten viel dazu und übertrugen die Struktur von GREEN EVENTS TIROL – nämlich die acht Nachhaltigkeitsbereiche – auch auf unsere Planungen. Das war eine gute Orientierung und große Hilfe.

Welchen Effekt habt ihr euch erwartet?

Wir wollten vor allem ein saubereres Fest als bisher machen. Wir wollten nicht mehr feiern wie die Dreckspatzen, sondern „Festivalkultur“ anders aufsetzen und einen Kontrapunkt zum Klischee „Festival = Müllhalde“ setzen.

Hat die Umstellung auf GREEN EVENT auf Anhieb funktioniert?

Bei Wiesenrock 2013 setzten wir einige erste Maßnahmen – von Mehrwegbecher über ein Abfalltrennsystem bis hin zu einem breiten und kulinarischen Angebot. Die Rückmeldungen der Besucher_innen waren durchwegs positiv – von da an schwand im Team die Skepsis und die Sorge davor, dass unser Publikum den Schwenk auf GREEN EVENT nicht gutheißen würde. Im Gegenteil: Die Öffentlichkeit nahm unser Festival nun viel stärker war, Wiesenrock bekam über die Jahre ein sehr viel klareres Profil und wir taten uns leichter in der Sponsorensuche.

Gab es auch negative Stimmen?

Ja, klar. Manche – etwa andere Veranstalter – sahen im nachhaltigen Veranstalten keine Sinnhaftigkeit, sie nahmen das eher als Bürde wahr. Andere wiederum belächelten uns und taten uns als naive Träumer ab.

Was hat dich überrascht?

Letztendlich war die Erkenntnis eine der größten Freuden, dass Green Event sich nicht im Technischen und Organisatorischen erschöpft (Stichwort Abfalltrennsystem, Checkliste, Stromverbrauch usw.), sondern vor allem ein kreativer Prozess ist. Durch den fokussierten Blick nimmt man die eigene Veranstaltung gestaltungsfreudiger, kreativer und anspruchsvoller wahr. Und man lernt, aus Dingen, die man vormals als Müll klassifiziert hätte, wunderschöne Dinge zu bauen. Auch das spart Geld.

Habt ihr unterm Strich mehr Geld ausgegeben, weil das Fest nachhaltiger war?

Ja, hauptsächlich durch die Mehrausgaben für das Mehrweggeschirr und Geschirrspülmobil.

Und was habt ihr unterm Strich gewonnen?

Wiesenrock hat keinen Gewinn abgeworfen. Womit wir uns finanziell aber auf jeden Fall leichter taten, war die Sponsorensuche. Durch die konsequent nachhaltige Ausrichtung konnten wir Firmen gewinnen, die sonst wohl nur schwer erreichbar gewesen wären. Den Gewinn sehe ich eher auf regionaler Ebene: Durch Wiesenrock wurde Wattens auch in festivalaffinen Kreisen bekannt. Es gibt die Anekdote einer Niederösterreicherin, die während ihres Griechenland-Urlaubes mit einem Wattener zu sprechen kam. Als er ihr seinen Wohnort offenbarte, rief sie aus: „Ah, das ist doch da, wo Wiesenrock stattfindet!“ Man hätte schwören wollen, dass ihr als erstes die Kristallwelten in den Sinn kommen.

Was würdest du anderen Veranstalter_innen empfehlen?

In erster Linie muss man es aus einer inneren Haltung heraus machen. Es braucht eine ehrliche „nachhaltige Nordung“, die man nicht immer durch den Marketing-Fleischwolf drehen muss. Die relevanten Infos sollte man anbieten, aber die Menschen nicht damit zwangsbeglücken. Sie sollen selbst die Wahl haben, worüber und wie ausführlich sie sich zum Thema Nachhaltigkeit informieren möchten.

Was nimmst du persönlich mit aus der Wiesenrock-Zeit?

Wiesenrock hat mich maßgeblich in meinem nachhaltigen Empfinden, Denken und Handeln geprägt. Durch diesen teils sehr intensiven Prozess habe ich viel gelernt, vieles probiert, manches wieder verworfen und – vor allem – ein eigenes Gespür, einen praktischen Bezug und eine kritische Haltung zum breiten und oft diffusen Nachhaltigkeitsbereich aufbauen können.

2017 war das letzte Wiesenrock Festival. Wird es wieder mal etwas Vergleichbares geben?

Heuer setzen wir einige interessante Kunst- und Kulturprojekte in Wattens um und versuchen dabei, eine gute Balance zwischen Unterhaltung und inhaltlicher „Tiefenbohrung“ zu finden. Ob unsere Gedanken zukünftig wieder in Richtung eines Festivalformats schwirren, steht zurzeit noch in den Sternen. Aber ausschließen würden wir es nicht.

Danke für das Gespräch!

nach oben